29Sep

Der Herbst ist auch in diesem Jahr verdichtet, was Kongresse und Fachveranstaltungen der Kommunikationsbranche anbelangt. So fand gleich nach dem World Public Relations Forum in Madrid der Kommunikationskongress in Berlin statt.

 

Einen Auftakt zum Niederknien bot am Donnerstagmorgen Roger Willemsen mit seiner Keynote „Über die Kunst des Streitens in der Mediengesellschaft“ – Mitschnitt anschauen lohnt sich unbedingt!

 

Ohne übergeordnetes Motto hechelte sich danach die Branche teilweise in 12 Sessions gleichzeitig durch ihre Lieblingsthemen. Meines, also Kommunikations-Controlling, fand leider so gut wie gar nicht statt.

 

Auffallend für mich war, dass man sich thematisch maximal im Hier und Jetzt oder gern auch in der Vergangenheit aufhielt. Krisenkommunikation, „Verantwortung aus Tradition“, Change Management, „Aufbruch in die digitale Welt“ (na, wer jetzt erst losgeht…), „Die 10 schönsten Fehler der Internen Kommunikation“ etc. ließen bereits bei der Sichtung des Programmheftes erahnen: Innovative Eruptionen finden woanders statt. Auch dort, wo sich Raum für Visionen ein wenig durch den Titel eröffnete – „Kommunikation vs. Marketing vs. Vertrieb – quo vadis PR?“ – hielt der Scheinwerfer dann auf Männer mit Existenzängsten, die wenig oder besser gar nicht von ihren deutschen Abteilungspfründen abrückten.

 

Diversität oder Internationalität hatten insgesamt wenig Raum: Die Referenten waren deutschsprachig, weiß und zu über dreiviertel männlich. Erstaunlich, dass man auch noch im Jahr 2014 sogar 7-köpfige Panel-Diskussionen mit einer 100%-Männerquote besetzt. Die Bühne des zentralen Kuppelsaals hatte man insgesamt weitestgehend frauenfrei gehalten, die Keynotes vollständig.

 

Die letzte Keynote von Peter Altmaier über Politik und Medien im digitalen Zeitalter war ein nett anzuhörender Einblick in das digitale Denken und Wirken von Politikern. Unaufregend – weder positiv noch negativ.

 

Lebendig wurde die Veranstaltung für mich neben den Gesprächen zwischen den Sessions durch kleine Highlights wie den Repräsentanten einer Tabak-Firma, der zwar nichts Neues verkündete, aber immerhin den Löwenmut bewies, sich in die rauchfreie Arena zu wagen. Dicht gefolgt von einem Obama-Wahlkampfhelfer, der begeistert darüber berichtete, wie im Wahlkampf Daten so aggregiert werden, dass Freiwillige von Tür zu Tür ziehen können mit einem Tablet, das ihnen detailliert Auskunft gibt, wen sie hinter der Tür antreffen und wie sie ihn/sie wovon zu überzeugen haben. Im nächsten Bundestagswahlkampf lasse ich die Haustür ganz sicher geschlossen.

 

Unterm Strich war es für mich trotzdem eher eine gemütliche, deutsche, ein wenig reaktionäre Veranstaltung in schöner Location mit gutem Essen.